Vertrauen

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„Vertrauen ist der Wille, sich verletzlich zu zeigen.“ (Quelle Wikipedia)

Ich befürchte, heute bekomme ich so richtig eins aufs Maul. Also nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz real. Das ist wahrscheinlich die gerechte Strafe dafür, dass ich einfach zu feige bin zu dem zu stehen, was ich bin. Stattdessen versuche ich immer so männlich wie nur möglich rüber zu kommen. Keiner soll merken, wer ich wirklich bin.

Ich hätte nicht so doof sein und unbedachter Weise Fanny einfach so auf den Mund küssen sollen. Ich hätte wissen müssen, dass ihr Freund uns sehen könnte. Direkt vor der Uni. Dann auch noch wegen so einer Lappalie. Mein Schwarm aus der Marketing Vorlesung hat mich heute zu einer Party eingeladen. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass er nicht auf Männer steht, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Wahrscheinlich ist allerdings, dass ich vorher drauf gehe bei dem Versuch Fannys Freund Victor davon zu überzeugen, dass ich nichts von seiner Freundin will und sie nichts mit mir hat.

Auf Fanny hört er einfach nicht. Die beiden kennen sich einfach noch zu kurz. Logisch, dass das Vertrauen da noch nicht so groß ist. Jetzt geht er davon aus, dass sie ihn betrügt und ich bin der Buhmann. Fanny liegt in ihrer Studentenbude und heult sich die Augen aus. So kann das nicht weiter gehen. Von ihr weiß ich, dass Victor versucht seinen Frust in der Studentenkneipe an der Ecke, in Bier zu ertränken.

Es ist schon spät, locker nach zwei, als ich Victor an der Bar entdecke. Immerhin sieht er eher deprimiert, als aggressiv aus. Shit! Keine drei Plätze von ihm entfernt sitzt der Schwarm, der mich zur Party eingeladen hat. Immerhin ist er alleine da. Die Party kann ich mir wahrscheinlich in die Haare schmieren, wenn ich hier raus bin. Aber Fanny ist mir wichtiger. Sie vertraut darauf, dass ich das wieder in Ordnung bringe. Also will ich sie mal nicht enttäuschen. Ich bestelle mir ein Bier und setzte mich zwischen ihn und meinen Schwarm. So kann ich so tun, als wäre der gar nicht da.

Gute zehn Minuten versuche ich, Victor davon zu überzeugen, dass ich kein Interesse an Fanny habe, aber er nimmt es mir einfach nicht ab. Also gebe ich auf und lege die Karten auf den Tisch.

»Mach es mir doch nicht so schwer Mann! Ich steh nicht auf Frauen. Da läuft nichts zwischen Fanny und mir.«

    »Klar …«, er schüttelt beschwipst den Kopf, »Das kann ja jeder sagen. Das musst du schon beweisen.«

»Wie soll ich denn das beweisen?«

Mit verschleiertem Blick sieht er sich in der Kneipe um, bis sein Blick auf meinen Schwarm fällt.

»Küss den!«

Er zeigt auf meinen Schwarm. Na toll, jetzt bekomme ich eben nicht von Victor eins aufs Maul, sondern von dem Kerl, den ich jetzt gleich küssen werde. Ich nehme allen Mut zusammen. Langsam stehe ich auf und gehe zu ihm hin. Ich kann ihm kaum in die Augen sehen und mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich murmle noch kurz »Sorry Mann!«, bevor ich seinen Kopf zu mir ziehe und ihn auf den Mund küsse. Als ich mich wieder von ihm weg drehe, hängt Victor schon am Handy und telefoniert mit Fanny. Immerhin war mein Geständnis für irgendwas gut. Weil ich irgendeine Reaktion erwarte, drehe ich mich zurück zu meinem Schwarm. Der grinst mich nur frech an, dann zieht er mich zu sich. Dieses Mal ist er es, der mich küsst.

Die Autorin: Marie Isegrimm: Ich bin ein Pseudonym und zeige mich nicht gerne. Dennoch bin ich nicht weniger real als das Original. Ich liebe das Schreiben und hoffe, dass meinen Lesern gefällt, was ich zu Papier bringe. Texte verfasse ich schon sehr lange, trotzdem hat es lange gedauert, bis sie es auch ins eBook-Regal geschafft haben. Meine Bücher sind Lovestorys für Erwachsene. Dabei knistert es häufiger gewaltig zwischen meinen Protagonisten. Bisher sind die ersten zwei Bände meiner »perfect desire« Reihe erschienen. Winterliche Kurzgeschichten gibt es den gesamten Advent auf Snipsl. Alle meine Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden und sind in sich abgeschlossen. Link zu meinen Büchern (FB): https://www.facebook.com/MarieIsegrimAutorin/

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