[Leseprobe] Blind – Sternenbrand 1 – von Annette Juretzki

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Ist es ein Leben zwischen den Sternen wert, fast dafür zu sterben?

Söldner landen auf Xenens rückständigem Planeten und so charmant ihr Anführer Jonas Brand auch sein mag, so kompromisslos ist er bei seinen Zielen. Als eine friedliche Verhandlung scheitert, findet sich Xenen schwerverletzt auf ihrem Raumschiff wieder – was ihm ziemlich schnell besser gefällt, als gut für ihn ist. Seine Neugierde treibt ihn in immer größere Gefahren, vor denen ihn auch der Außerirdische Zeyn nicht schützen kann. Selbst als ein Attentäter nach seinem Leben trachtet, wählt Xenen Freiheit über Sicherheit. Aber warum wünscht ein völlig Fremder seinen Tod? Und welches Geheimnis umgibt seinen Heimatplaneten? Manche Antworten wiegen Jahrhunderte schwer …

 

Ein aggressiver Wortschwall lenkte Jonas’ Aufmerksamkeit fort vom Einheimischen. Denn auch wenn die Sprache fremd war, hatte nicht Xenen gesprochen. Hastig sah sich Jonas um und erkannte, dass er mit dem Mann in seinen Armen in einen gewaltigen Raum gestolpert war. Alarmrotes Licht fiel von der Decke nieder und färbte die Wände in ein dunkles Pink, während über einer unförmigen Sicherheitskonsole ein Hologramm gegen sein baldiges Ende anflackerte. Metallene Betten und Tische waren in der Mitte des Raumes zu einer Barrikade errichtet, die leicht einer ganzen Einheit Schutz geboten hätte. Doch waren es nur zwei Frauen, die sofort als Kombattanten auf dem Display aufleuchteten. Im warmen Lichtschein schienen sie zu brennen. Ihre Waffen wurden ebenso als unbekannt klassifiziert wie die Spezies der kleineren, die noch immer unverständlich brüllte. Auch wenn sie menschlich wirkte, von der dunklen Haut über die krausen Haare bis hin zu den Körperproportionen nichts außerirdisch erschien: Ihre Augen waren fremd. Vollkommen blau, als wären die Augenhöhlen mit zwei riesigen Seen aufgefüllt.

»Brand, wir kommen rein.« Zeyn riss das Kommando an sich, kaum dass sie nicht mehr denselben Raum teilten.

Xenen erwachte zu neuem Leben, versuchte sich Jonas’ Armen zu entwinden, während er zeitgleich etwas zu den Frauen rief. Kurz senkte die Menschliche ihre Waffe und hob sie nach einem scharfen Befehl ihrer Mitstreiterin wieder an. Der Lauf erinnerte an eine Spirale, wie auch die Wracks der Phantomschiffe Reste verdrehter Läufe aufwiesen. Jonas konnte sich das Grinsen nicht verkneifen: Diese Anlage war tatsächlich eine Spur.

»Noch nicht, auf mein Kommando.« Auch wenn sich Xenen wehrte, drückte ihn Jonas fester an sich und stapfte mit kleinen Schritten auf die Barrikade zu. Ganz langsam, um den Mann in seinen Armen nicht zu Fall zu bringen – was vermutlich schon bei einem kooperativen Einbeinigen keine leichte Aufgabe gewesen wäre. Doch Xenen dachte gar nicht erst an eine Zusammenarbeit, sondern zappelte um sein Leben. »Tut mir leid, aber wir müssen jetzt beide darauf vertrauen, dass dich deine Freundinnen wirklich gernhaben.«

Blauauges Stimme wurde schriller, überschlug sich fast, als sie Xenens hastigen Worten antwortete. Immer wieder fasste ihre linke Hand neu um den Vordergriff herum, der an den Lauf geschmolzen schien. Ihre Halsschlagader wummerte kräftig genug, damit die Pulsfrequenz auf dem Display erschien.

»Habe freies Schussfeld; positiv?« Tinas Stimme erklang leise durch den Sender im linken Ohr, während eine grelle Zielmarkierung den Kopf der Menschenfrau auf Jonas’ Display färbte.

Sie hatte ein elegantes Gesicht, mit hohen Wangenknochen und tiefblauen Augen. Die Ähnlichkeit zu Xenen war trotz ihrer braunen Haare nicht zu leugnen, vermutlich hockte dort seine Schwester in der Deckung. Ihr Finger war um den Abzug verkrampft; sie hatte keine Kontrolle über ihre Waffe. Eine umstürzende Box, plötzliches Lichtflackern – jeder noch so kleine Schreck bedeutete einen Schuss.

Nervöse Zivilisten mit Strahlenwaffen – da konnte Jonas gleich mit Nitroglyzerin jonglieren.

»Negativ«, flüsterte er. Dem Kehlkopfmikrofon genügte schon leises Raunen, um klare Worte zu übertragen. Zur Sicherheit trat Jonas in die Schusslinie. Tina war eine zu gute Söldnerin, um eine Bedrohung nicht zu eliminieren, bevor sie zur Gefahr wuchs. Und Befehlsverweigerung ließ sich leichter entschuldigen als ein toter Captain. Doch eine tote Schwester würde Xenen sicher nicht verzeihen – und Jonas wollte wirklich gern wissen, warum hier alles blau war.

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