Adoption

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Ein Wunder mit Schlappohren

Diese Geschichte, so illusorisch sie auch klingen mag, ist eine wahre Geschichte, die sich erst kürzlich zugetragen hat. Ein Kaninchen schafft innerhalb weniger Wochen, was ich in mehr als zehn Jahren nicht zu schaffen vermochte. Allein mit seiner Anwesenheit. Einfach zum neidisch werden. Vielleicht hätte ich mir ein beige-braunes Felljäckchen, Schnurrhaare und ein Puschel Schwänzchen zulegen sollen. Dabei möglichst niedlich aussehen und mit hilfebedürftigem Blick das Näschen wackeln lassen. Dass ich das noch erleben darf! Ein mürrisches, Türe schlagendes, stets maulfaules Geschöpf ist ins Leben zurückgekehrt. Nachdem es sich über Monate – ach was – Jahre hinweg, in ein Wesen aus Tristesse und Wortkargheit verwandelt hatte. Ich kann nicht sagen wie oft ich mir gewünscht hatte, irgendwer oder irgendetwas würde dieses Kind aus seiner verkorksten, suchtmachenden Computerwelt herausbefördern, ihm die Lethargie und Faulheit austreiben, doch ehrlicherweise hatte ich da eher mit einem hübschen Mädel gerechnet, als mit einem kleinen Fellbündel. Egal, es hat trotzdem funktioniert. Mein Sohn, derzeit achtzehn Jahre alt und ein Ausbund an Muffeligkeit auf zwei Beinen, zudem voller Desinteresse für seine Familie und die Dinge, die um ihn herum geschehen, ist seither kaum wiederzuerkennen.

Die Nachricht kam per WhatsApp, als ich im Urlaub auf meiner Liege am Strand faulenzte.

„Wir haben jetzt übrigens ein Kaninchen“, stand da. Okay, warum auch nicht? Wir haben ja bisher nur eine Katze und Goldfische. Passt doch prima zusammen. Ehrlich, ich traute mich erst nicht meinem Mann davon zu erzählen, denn seine Worte von vor Jahren hallten noch in meinem Ohr: „Mir kommt nie wieder ein Nager ins Haus…“, stöhnte er, während er maulend die angeknabberten Mauerwerkkanten flickte und die, mit mehr oder weniger großen Nagespuren ausgefranste Tapete ausbesserte. Die Pipiflecken auf dem Teppichboden der längst verstorbenen Meerschweinchen nicht zu vergessen. Meine beiden daheimgebliebenen Söhne, achtzehn und zwanzig Jahre alt, denen man sowieso jedes Wort aus der Nase ziehen muss, waren per WhatsApp auch nicht viel gesprächiger als vis-a-vis, dennoch erfuhr ich, dass ein kleines Zwergkaninchen vor unserer Haustür im Vorgarten neben meinem Auto gehockt hatte. Meine Jungs, die nicht müde wurden und es nach etlichen Versuchen endlich geschafft hatten das hellbraune Fellknäuel einzufangen, verbrachten für diese Aktion massig Zeit draußen an der frischen Luft, ohne Computer. Ist das zu fassen? Unglaublich aber wahr! Dass sie keinen Frischluftkollaps bekommen haben ist erstaunlich. Ich traute meinen Augen kaum, als ich das las. Das Häschen hatte offenbar rote entzündete Augen und Wagenschmiere im Fell und da mein Zwanzigjähriger kurz vor unserem Urlaub seine Führerscheinprüfung bestanden hatte, fuhren die Zwei mitsamt *HASI* in der Katzentransport-Box zum Tierarzt. Dieser untersuchte und impfte das Tierchen, behandelte die Augenentzündung, und all das sogar gratis, da meine Jungs offenbar nicht flüssig erschienen. Vielleicht hatten sie auch einfach vergessen Geld mitzunehmen, was ihnen durchaus zuzutrauen wäre. Ich bin noch heute stolz auf die Beiden. Anschließend wurde dem *HASI* ein komplettes Zimmer in unserem Haus zur Verfügung gestellt, mit Kissen verdunkelter Höhle unter der Couch, Katzenklo mit Streu, leihweise der Katze entwendet, plus meiner frisch gewaschenen Handtücher aus dem Schrank, als Unterlage. Selbstverständlich sollte es gemütlich sein und einem 1a Kaninchenheim gleichen, versteht sich ja von selbst; Heu, Möhre, Wasser und Zuwendung inklusive. Leise sanfte Zuwendung, denn natürlich war *HASI* sehr scheu und schreckhaft und ließ sich nicht anfassen. Kein Wunder, wenn man wochenlang unter den Autos an einer stark befahrenen Straße hockt.

Aber mein hasenliebender Sohn ist nicht anders. Möchte man ihn berühren, zuckt er zusammen und läuft weg. Da haben sich zwei gefunden. Das denke ich übrigens nicht zum ersten Mal. Manchmal kommt es mir vor, als sei das ein von Gott (oder wem auch immer) gesandtes Kaninchen, eigens vor unserer Tür abgesetzt, damit es meinen Jungen wieder auf den richtigen Pfad führt. Weg von dem stundenlangen Computerkonsum, mal wieder an die frische Luft und mit einer Aufgabe, die ihn fordert. Ihn Verantwortung lehrt und ihn beschäftigt. Das klappt bisher prima. Sein Zimmer wurde für den neuen Mitbewohner komplett umgestaltet, in diesem Zuge sogar – oh Wunder – entstaubt und geputzt. Ich glaube eine komplette Wagenladung Dreck und Müll hat ihren Weg in die Freiheit gefunden, ich jedenfalls habe dieses Zimmer seit langem nicht mehr betreten. Aus gutem Grund. Auch sonst hilft *HASI* der verpatzten Erziehungsarbeit auf die Sprünge. Sogar das Kabel der Tastatur musste schon dran glauben. Vielen Dank auch, *HASI*. Gut gemacht! Ich habe mir oft schon destruktive Hilfe dieser Art gewünscht, um meine Männer wenigstens zeitweise vom Computer wegzubekommen. Bei einem davon scheint es nun endlich zu funktionieren. Er reißt sich bald ein Bein für seinen kleinen Fellfreund aus, trägt sein *HASI* in den Garten, holt es wieder hoch, pflückt Gras und Löwenzahn, baut Gehege und Gitterkonstruktionen, macht das Hasenklo mehrmals täglich sauber und versorgt ihn rund um die Uhr. Endlich passiert mal etwas, denn da gibt es jemanden der ihn braucht, dringender als sein PC. Die Tür wird nicht mehr laut zugeknallt (*HASI* könnte ja erschrecken), der Computer bleibt zeitweise aus (*HASI* hat Angst vor dem Geräusch) und den Balkon, den mein Sohn seit Jahren nicht betreten hat, bereitet er nun als Außengehege für seinen *HASI* vor. Ein weiterer positiver Nebeneffekt, ich habe dadurch wieder mehr Kontakt zu ihm, denn endlich spricht er wieder mit mir, zwecks gemeinsamer Auftrag,- und Programmerstellung bezüglich der Kaninchenversorgung. Auch ist dieses kleine Randalinchen (so nenne ich das Hasenkind inzwischen gerne) ein super Ersatzwecker, da die Nacht nun, dank rappelnder Gitterstäbe, um fünf Uhr morgens vorbei ist und somit Verschlafen oder Bus verpassen der Vergangenheit angehören. Das Schöne an dieser Sache ist: Mein Sohn nimmt seine Aufgabe ungeheuer ernst, denn schon als Kleinkind hatte er einen Kuschelhasen, den er stets im Arm hatte, und ohne den er keinen Schritt tat. Witzigerweise hatte auch dieses Plüsch *HASI* Schlappohren, worüber mein Mann sich immer lustig machte und behauptete, das wäre eigentlich ein Teddybär, dem man zeitig zu Ostern einfach braune Plüschohren angenäht hatte, um ihn zum Osterhasen umzufunktionieren. Egal, mein Sohn liebte sein Kuscheltier, das noch heute am Kopfende seines Bettes sitzt. Pst, nicht verraten. In einem eigens dafür angeschafften Schrank, sitzen weitere unzählige Plüschhasen, ich glaube an die fünfzig Stück, die er gesammelt hat und jedes Jahr zu Ostern kamen welche dazu, die aber nicht weggegeben werden dürfen, auch wenn es ein Achtzehnjähriger nicht zugeben mag.

Nun saß da plötzlich vor fünf Wochen ein echtes kleines braunes Widder-Zwergkaninchen vor unserer Haustür, wie ein Wunder, wie vom Himmel gefallen, um einen mürrischen, Türe knallenden Jungen so sehr zu verändern, wie ich es mir noch vor Wochen nicht hätte träumen lassen. Ein wahres Wunder hat dieses Kaninchen vollbracht. Danke dir, Randalinchen!

Die Autorin: Jutie Getzler: Ich habe mit meinen 4 Büchern mein persönliches Lebenswerk geschaffen und werde nie wieder etwas Vergleichbares hinbekommen, da bin ich sicher.  Alleine schon weil meine Augen diese Dauerstrapazen am PC nicht mehr mitmachen. Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass eines Tages Gott und die Welt meine Buchreihe kennen wird. Das interaktive Konzept meiner Buchreihe gibt vor, dass sich der Leser an einer gewissen Stelle im Buch entscheiden muss, wie die Protagonistin nun weiter vorgehen soll, und damit den Verlauf und das Ende der Story in der Hand hat. Es steht ihm frei eine oder alle drei Geschichten zu lesen. Dieser Entscheidungspunkt macht die Buchreihe zu etwas Besonderem. Hier kommt ihr zur Webseite der Autorin

 

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